Gardasee

 

Kurz vor Ferienende ergab sich mal wieder eine wunderbare Gelegenheit, dem heimatlichen Wetter zu entfliehen und wir entschieden uns zu einem Ausflug zu einem der beliebtesten Motorrad-Reiseziele in unserer Nähe -> dem Gardasee. Der verfügbare Zeitraum war der 2.9.2000 - 6.9.2000. 

Nachfolgend eine kurze Beschreibung der gefahrenen Wegstrecken (Streckenübersicht als PDF-Datei) bzw. als Datei für Microsoft AutoRoute 2001.

 

Tag 1:

Da verschiedene Wettvorhersagen ( www.adac.de / www.gardasee.de / www.alpenwetter.com ) recht eindeutig auf Regenwetter entlang der Brenner-Strecke deuteten, suchten wir uns eine andere, wenn auch etwas längere Route nach Süden heraus. Wir beschlossen, dabei auch das Stilfserjoch in unsere Planung einzubauen. Wie der Tourenbeschreibung "Rund um Landeck" entnommen werden kann, hatten wir beim letzten Besuch dieser Traumstrecke die Anreise über die etwas langweilige Strecke über Marktoberdorf vorgenommen und wollten es diesmal besser machen.

Aufgrund der späten Startzeit (ca. 11:00 Uhr) fiel die Wahl auf die Turbostrecke Augsburg -> Landsberg -> Schongau -> Füssen -> Reutte. Da wir uns über die spätere Streckenführung noch nicht 100%ig sicher waren, besorgten wir uns kurz nach Füssen eine der allseits beliebten Autobahnvignetten für Österreich.

Nachdem wir auf diesem Weg die ersten 150 km flott hinter uns gebracht hatten, begann nun der schönere Teil der Fahrt. Von Reutte aus fuhren wir auf der B198 zum Hahntennjoch und stimmten uns auf dieser wunderschönen, kurvenreichen und großteils ohne Leitplanken ausgebauten Strecke bereits auf die kommenden Genussstrecken ein. Am Ende des Hahntennjoches landeten wir dann, wie vorgesehen, in Imst. Dort bogen wir auf die Autobahn Richtung Landeck / Reschenpass ein. Auf diesem Weg umgingen wir den Dauerstau in Landeck und sorgten dafür, daß die Vignetten nicht ganz sinnlos waren.

Der weitere Streckenverlauf folgte der Wegweisung Richtung Reschenpaß. Nach einem kurzen Tankstop in Nauders (der Benzinpreis war in Österreich einfach deutlich günstiger als in Italien) gelangten wir in Reschen (Resia) endlich auf italienischen Boden. Am Reschensee entlang (siehe auch "Dreiländereck") kamen wir über Mals und Schluderns nach Spondinig. Durch unseren späten Fahrtantritt war es nun bereits früher Abend und an eine Weiterfahrt über das Stilfserjoch an diesem Tag nicht mehr zu denken.

Wir nahmen als Quartier in Spondinig das Hotel "POST HIRSCH". Das gesamte Hotel hätte durchaus eine Generalüberholung nötig, vermittelt aber durch die alte Ausstattung (speziell im Speisesaal) ein interessantes Flair alter Zeiten. Leider betrifft der Renovierungsbedarf auch die ordentlich großen, aber altmodisch (Foto2) eingerichteten Zimmer. Die Zimmerpreise von 60.000 Lire pro Person/Nacht erschienen uns gerade noch akzeptabel.  Das Frühstück war mit Schinken, Käse, Marmelade, Honig ... sehr gut und der Aufenthalt insgesamt angenehm.

 

Tag 2:

Wir  starteten bei bewölktem Himmel Richtung Prato und damit direkt zum Stilfserjoch. Beim Aufstieg zur Ferdinandshöhe genossen wir jede einzelne Kurve. Kurz vor dem Gipfel legten wir noch eine Fotopause ein und schossen einige Bilder für´s Album. Die weitere Fahrt führte uns über den Paß mit dem darüberliegenden Hotelgebäude. Wir stoppten allerdings nicht und fuhren direkt am Abzweig zum Umbrail vorbei (dieser hätte uns zurück in die Schweiz geführt) zur Westrampe Richtung Bormio.

Auf der nun folgenden Strecke konnten wir ein Phänomen beobachten, das uns in den folgenden Tagen öfter begegnete. Auf gerader, sehr schmaler Strecke begegneten uns mehrfach Motoradfahrer, welche uns freundlich grüßten und dann stur in der Straßenmitte weiterfuhren und uns fast von der Fahrbahn abdrängten. Hier daher eine Bitte: Erst nachdenken und dann grüßen. Es macht keinen Spaß, von der Straße gefegt zu werden, egal wie freundlich der Andere grüßt!

Die weitere Strecke führte uns hinab nach Bormio und dort Richtung Passo di Gavia. Der Gavia ist eine herrliche Strecke für Fahrer, die keine Angst vor sehr schmalen und etwas holperigen Straßen haben.

Im Anschluß fuhren wir dann weiter über den Passo del Tonale mit seinen sanft geschwungenen Kurven bis ca. Dimaro und bogen dort, vorbei an schönen Bergen (Bild1) und den üblichen Touristenhotels, Richtung Madonna di Campiglio ab. Dieser Strecke folgten wir über Pinzolo bis Tione di Trento. Von dort zuerst Richtung Trient und bei mittlerweile einsetzendem Regen, auf Nebenstrassen in Richtung Riva del Garda.

In Riva angekommen, trafen wir eine verhängnisvolle Entscheidung. Wir beschlossen, am Westufer des Gardasees entlangzufahren und sollten das später noch bitter bereuen. Kurz nach Limone entledigten wir uns unserer Regenkleidung und fuhren noch einige Kilometer am See entlang Richtung Süden. Bereits ab Gargnano ging dann nichts mehr voran und wir stecken im dicksten Wochenend-Rückreiseverkehr. Scheinbar hatten sämtliche Bewohner von Brescia und Umgebung beschlossen, an diesem Wochenende den Gardasee zu überfallen und alle zur gleichen Uhrzeit zurückzufahren.

Unsere Rettung war die in Italien scheinbar übliche und von der Gendarmerie geduldete Methode, mit Zweirädern einfach am dicksten Stau links entlangzufahren. Auch die entgegenkommenden Fahrzeuge akzeptierten dies und ließen Platz für Zweiräder in der Fahrbahnmitte. Als wir uns mit dieser Methode duch Gardone und Salo bis Desenzano durchgekämpft hatten, haben wir immerhin 2 Ferraris, 1 Porsche Carrera und 1 Porsche Boxter problemlos überholt. Nahezu alle  Autos bogen dann Richtung Brescia ab und der Stau war schlagartig verschwunden.

Wir beschlossen nun, schnellstmöglich nach Peschiera oder Lazise zu fahren und uns endlich ein Quartier zu suchen. Wir waren müde, erschöpft und hungrig. Es war einfach Zeit, den Tag abzuschließen.

In Lazise (kurz vorher begann es wieder zu regnen) fanden wir ein Hotel, das einen ordentlichen Eindruck machte. Die Reklametafel versprach "mit Strand" und auf dem Parkplatz fanden sich fast nur Fahrzeuge der oberen Mittelklasse. Es wunderte uns daher auch nicht, als wir den Zimmerpreis von 82.000 Lire pro Person/Nacht hörten. Wir waren jedoch müde und wollten endlich aus den feuchten Klamotten raus. Stutzig machte uns nur, daß wir die Zimmer   nur im Prospekt ansehen konnten. Eine Live-Besichtigung war nicht vorgesehen.  Dennoch akzeptierten wir und nahmen das Zimmer für 2 Nächte.

Tip 1 für´s weitere Leben: Niemals ein Zimmer nehmen, das man vorher nicht gesehen hat!

Das Zimmer war äußerst schlicht eingerichtet und deutlich kleiner, als wir es aus anderen Unterkünften gewohnt waren. Toilette und Dusche waren nur durch einen Vorhang getrennt und der Balkon diente gerade mal zum Rausstellen des einen, vorhandenen Balkonstuhles. Ein zweiter Stuhl hätte auf diesem "Riesenbalkon" weder einen Platz, noch einen Sinn gehabt. Wenigstens verfügte der Balkon über einen direkten Blick auf den See (Bild2 bei besserem Wetter)

Tip 2 für´s weitere Leben: Die Aussage "mit Balkon" bedeutet nicht, daß man mit diesem Balkon ernsthaft etwas anfangen kann.

Nach einer Nacht in dem etwas zu kurzen Bett freuten wir uns auf das Frühstück, das uns zwar mit einem gekochten Ei überraschte, bei dem wir auf Schinken und Käse allerdings vergeblich hofften. Hier musste Marmelade, Honig und Nutella einfach reichen. Es stellte sich dann heraus, daß "mit Strand" auf der Reklametafel bedeutete, daß man den Strand eines nahegelegenen Campingplatzes mitbenutzen durfte.

Tip 3 für´s weitere Leben: Die Werbung "mit Strand" heißt nicht "mit schönem, oder etwa hoteleigenem Strand"

 

Tag 3:

Ein wunderschöner Tag in Lazise mit Essen, Eis, Cappuccino und allem, was sonst so dazugehört. Die Motorräder durften Pause machen.

See-Rundblick  /   Promenade1   /  Promenade2  /  Marktplatz1  / Marktplatz2   /  Hafen1  /  Hafen2  /  Hafen3   /  Gasse  /  See  /  Stadtmauer

 

Tag 4:

Nun stand allmählich wieder der Heimweg nach Deutschland an. Da wir nicht vorhatten, den Rückweg an einem Tag zurückzufahren, beschlossen wir, Sterzing als Etappenziel festzulegen. Wir fuhren diesmal an der Ostseite des Gardasees entlang bis Torbole, dann Richtung Arco und im weiteren Verlauf nach Sarche . Über den Mendelpaß gelangten wir dann nach Bozen und wollten über das Penserjoch nach Sterzing fahren.

Da in Bozen das Penserjoch nirgends angeschrieben ist,   folgten wir irrtümlich der Wegweisung nach Jenesien. Leider folgten wir dieser Wegweisung etwas zu exakt und landeten nach einer schönen Strecke quer durch einen Wald in Jenesien und erfuhren dort, daß wir uns verfahren hatten. Also zurück nach Bozen und lieber der Wegweisung ins Sarntal / nach Sarthein gefolgt. Mittlerweile zogen wieder Wolken auf und es fielen vereinzelte Regentropfen. Zum Glück blieb es einigermaßen trocken, bis wir nach einer wunderschönen, aber ziemlich kühlen Paßüberquerung in Sterzing eintrafen. Dort bezogen wir, wie bereits bei unserer Dolomitentour, ein Zimmer im "Garni Färbe". Ein Unterstand für die Motorräder ist vorhanden, das Zimmer war mit Abstand die schönste Unterkunft auf dieser Tour, Bad und Dusche sind relativ modern eingerichtet und sauber und der Preis von 42500 Lire pro Person/Nacht ist ein echtes Angebot.

 

Tag 5:

Das Frühstück am nächsten Morgen war mit Schinken & Käse reichhaltig und gerade die richtige Stärkung für den Heimweg über die alte Brenner-Landstraße.

Nach einem Tankstop unmittelbar nach der österreichischen Grenze furhen wir Richtung Innsbruck. Um uns die Stadtdurchfahrt durch Innsbruck zu ersparen, bogen wir kurz vorher nach Natters -> Mutters -> Axam -> Kematen ab und gelangten über Zirl  nach Mittenwald.

Dort wählten wir den weitern Weg über Walchensee, den Kesselberg zum Kochelsee und dann via Bichl, Weilheim und Landsberg zurück nach Augsburg. Auch auf dieser Strecke blieben wir leider nicht komplett vom Regen verschont.

 

 

Bemerkungen:

Wer sich für hervorragende Fotografien der beschriebenen Passstrecken interessiert, findet zusätzlich Bilder unter www.motoalps.de.