Turbo-Dolomiten

 

Der seltsame Titel "Turbo-Dolomiten" deutet es bereits an: Die Zeit war für eine Dolomitenfahrt sehr knapp bemessen. Es blieben uns gerade mal 3 Tage, um in die Dolomiten zu gelangen, dort ein wenig herumzuflitzen und anschließend wieder nach Augsburg zu kommen.

Wer über ausreichendes Kartenmaterial verfügt, sollte dieses zum besseren Verständnis des Berichtes zur Hand nehmen. Wer keine Karte der erwähnten Pässe griffbereit hat, kann hier eine Pässeübersicht  auf seinen PC laden und mit einem Bildbearbeitungsprogramm seiner Wahl ausdrucken lassen, als Pässeübersicht im PDF-Format (Achtung!! Dateigröße 300 KB) oder als Datei für MS Autoroute 2001 downloaden .

Hier finden sich PDF-Dateien der gefahrenen Gesamtroute  und des Teiles innerhalb der Dolomiten und eine dazugehörige  Datei für Microsoft Autoroute 2001

 

Tag 1:

Wir starteten am Freitag, den 20.7.2001 um ca. 10:00 Uhr  bei wolkenverhangenem Himmel, um die Strecke nach Italien in Angriff zu nehmen. Der Wetterbericht unter www.wetter.com  verhieß wieder einmal nichts Gutes für diesen Tag. Es sollte vormittags bewölkt sein und Nachmittags regnen. Eigentlich keine guten Vorraussetzungen für ein Motorradwochenende. Einzig die weiteren, sonnigen Aussichten für Samstag und Sonntag ließen uns hoffen. 

Ursprünglich sollte die Route durchs Ötztal und über das Timmelsjoch nach Sterzing führen. Aber als  bereits in Landsberg die Regenkleidung  zum Einsatz kam, mussten wir kurzfristig umdisponieren. Wir änderten kurzerhand unsere Planung und bogen hinter Schongau ab, um im weiteren Verlauf über Mittenwald, Zirl, Axams, Götzens und Mutters den alten Brennerpass anzusteuern. Diesmal hatten wir bereits telefonisch ein Zimmer in der Sterzinger Pension Färbe reserviert und waren froh, als wir dort nach ca. 3 1/2 Stunden Regen und ca. 235 Kilometern endlich ankamen. Wie das Schicksal so spielt, hatte es natürlich ca. 5 Minuten vor unserem Eintreffen in Sterzing zu regnen aufgehört.

Wir ließen uns unsere Laune aber nicht verderben und begaben uns nach einer kräftigen "Aufwärmdusche" in die Sterzinger Fussgängerzone, um uns dort mit Kuchen, Cappucino und Pizza zu stärken. Anschließend legten wir uns einigermaßen geschafft ins Bett und hofften auf besseres Wetter am nächsten Tag.

 

Tag 2:

Unsere Hoffnungen auf schönes Wetter wurden beim Blick aus dem Fenster zuerst einmal gedämpft. Es hingen immer noch einige dicke Wolken am Himmel. Dazwischen zeigten sich jedoch große, herrlich blaue Stellen und auch die Sonne ließ sich gelegentlich sehen. Nach einem kräftigen Frühstück zogen wir unser Motorradausrüstung an und machten uns, bei mittlerweile sonnigem Himmel, auf den Weg zu unserem Ziel. Zuerst folgten wir der Wegweisung nach Bozen, um ins Pustertal und in Richtung Bruneck abzuzweigen. 

Im weiteren Streckenverlauf  führte unsere Route dann ab Chienes nach Corvara und von dort aus über das maßlos überlaufene Grödnerjoch (Bild1 / Bild2), den Sellapaß mit seinem herrlichen Rundblick und über das Pordoi nach Arabba. 

Über den Falzaregopaß (Bild2) gelangten wir zum Passo di Giau, einem unserer Lieblingspässe. Bei schönem Wetter bietet die Passhöhe des Giau (Bild2)einen herrlichen Rundblick in beide Richtungen

Die weitere Planung ließ uns über den Fedajapaß (Bild2 / Bild3 / Bild4 / Bild5) zur Sottoguda-Schlucht gelangen. Aufgrund verschiedener Reiseberichte im Internet, in denen die Fahrt durch die Schlucht beschrieben wird, wollten wir uns dieses Schauspiel nicht entgehen lassen. Leider mussten wir feststellen, daß die Zufahrt mittlerweile verboten ist und eine große Anzahl von Fußgängern zur Schlucht strömten. Wir drehten also um und verzichteten auf diesen Punkt der Planung.

Wir fuhren weiter nach Canazei und von dort aus nach Vigo di Fassa. Dort nutzten wir die Gelegenheit zum Auftanken und fuhren in Richtung des Karrerpasses (Passo Costalunga) weiter. Wir wählten anschließend die sehr empfehlenswerte und wenig befahrene Strecke über den Nigerpass. Der Nigerpass ist landschaftlich wunderschön und durch seine angenehme Streckenführung hervorragend geeignet, um sich zwischendurch zu entspannen.

Am Ende des Nigerpasses ging unser Weg Richtung Bozen. Wir wollten an diesem Tag unbedingt noch durch das Sarntal und über das Penserjoch zurück nach Sterzing. In einem Reiseführer hatten wir aufgeschnappt, daß es eine reizvolle Strecke über den Bozener Hausberg, den Ritten geben solle. Also suchten wir diese Strecke, um den Weg zum Penserjoch noch interessanter zu gestalten. 

In Bozen stießen wir auf eine Wegweisung, die rechts zum Ritten führt und geradeaus zum Sarntal weist. Leider fuhren wir zuerst geradeaus. Wir stellten dabei fest, dass wir auf diesem Weg mitten durch Bozen kommen würden und kehrten wieder zu der besagten Wegweisung zurück. Im zweiten Anlauf nahmen wir nun den richtigen Weg. 

Was nun folgte, kann jedem kurvenbegeisterten Motorradfahrer nur ans Herz gelegt werden. Eine schnelle, kurvenreiche Bergaufpassage und anschließend eine schmale, bergabführende, und mindestens ebenso kurvige Waldpassage hinab zum Sarntal. Die Kreuzung dort sollte man sich merken, um die Gegenrichtung ebenfalls einmal zu nutzen.

Im Sarntal angekommen, suchten wir uns nun eine Gaststätte und liessen uns ein leckeres Abendessen schmecken. Um dem Einbruch der Dunkelheit zuvorzukommen, machten wir uns bald wieder auf den Weg nach Sterzing. Diesmal überquerten wir das Penserjoch ohne Schnee (siehe Bericht Gardasee II) und steuerten nach Sterzing hinab um dort, nach stolzen 373 Kilometern,  die wohlverdiente "Duschen & Cappucino"-Kombination zu genießen.

 

Tag 3:

Nun war die Stunde der Rache gekommen. Da das Wetter (20 - 27 Grad) diesmal mitspielte, konnte uns nichts von der ursprünglich für Hin- und Rückreise geplanten Streckenführung abhalten. Wir brachen also über den Jaufenpass nach St. Leonhard auf. Dort bogen wir rechts ab, um das mautpflichtige (13,-- DM pro Motorrad) Timmelsjoch (Bild2 / Rundblick) zu überqueren. Obwohl dieser Pass nicht ganz billig ist, fahre ich ihn jedesmal wieder gerne. Das abwechselnde Landschaftsbild mit Wäldern im Tal und schroffem Felsgestein auf der Passhöhe fasziniert uns immer wieder.

Das darauf folgende Ötztal war eher Pflichtübung, um nach Imst zu gelangen. In Imst beginnt die Strecke über das schöne, aber leider zeitweise überfüllte Hahntennjoch (Bild2). An diesem Wochenende war das Wetter einfach zu schön und Massen von Motorradfahrern stürzten sich auf diese Strecke. Auch unsere weitere Planung wurde von den Menschenmassen nicht verschont. 

Wir fuhren über Reutte an den Plansee und wollten dort zu Mittag essen. Leider war auch dort der Massenansturm eingetroffen und wir fuhren über Linderhof in Richtung Oberammergau weiter. 

Etwa 2 Kilometer vor der Einmündung auf die Strecke Oberammergau / Ettal fanden wir ein etwas versteckt gelegenes Lokal. Die Gaststätte "Schöne Aussicht" liegt ca. 50 Meter oberhalb der Straße auf der linken Wegseite. Unsere Aufmerksamkeit erregte dabei das "durchgehend warme Küche"-Schild, das unten an der Straße stand. Nach einer leckern Schweinshaxe mit Knödel und Salat machten wir uns auf den restlichen Weg.

Was nun folgte war Routine. Oberammergau -> Schongau -> Landsberg -> Augsburg. Nach ca. 320 km zuhause angekommen, wurde die rituelle Waschung (Dusche) vorgenommen und der Tag mit einer Einladung zum Grillen bei Freunden beendet.

 

PS: Was uns auf dieser Tour besonders gefallen hat, waren der Nigerpass, die Strecke über den Ritten ins Sarntal, das Sarntal/Penserjoch und das Timmelsjoch.

 

 

 

 

 

Wer sich für hervorragende Fotografien der beschriebenen Passstrecken interessiert, findet zusätzlich Bilder unter www.motoalps.de.